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Test: Mini Cooper SE

Der Mini wird elektrisch, elektrisiert aber erstmal nur den Fahrer. Passanten drehen sich nicht um. Warum auch.? Optisch hat sich nicht viel geändert.

In Florida scheint die Sonne und das Thermometer schrammt auch im Januar die 30-Grad-Marke. Trockene Straßen statt überfrierendem Asphalt, blauer Himmel statt Hochnebel-Suppe, cool ist nur die Sonnenbrille und die Klimaanlage. Und das Auto natürlich. Der ur-englische Mini, längst mit deutscher BMW-Technik unterwegs, gilt vor allem in den trendigen US-Staaten wie Kalifornien und auch Florida als Kultmobil. Und jetzt darf er auch zwischen den Teslas rumstromern.

Ein rein elektrischer Mini und keiner dreht sich um. Erst, wenn er mit einer der schnell gefundenen Ladesäulen verkabelt ist, haben Passanten oder Vorbeifahrer einen Aha-Effekt. Denn das Elektrische am Mini ist gut im gewohnten Kleid versteckt. Um ihn zu kennzeichnen, haben die Designer in den Topf mit gelber Farbe gegriffen. Kein Sorge, Verwechslungsgefahr mit Postautos besteht nicht. Das warme Gelb ziert nur die Gehäuse der Außenspiegel, einen Mittelsteg auf der Abdeckung des einstigen Kühlergrills und die Oberfläche eines speziellen Logos am Heck. Wer ganz genau hinschaut, entdeckt die Farbigkeit auch noch als dünne Umrandung der 16-Zoll-Alu-Räder. Wer da alles nicht will, braucht den Schmuck bei der Bestellung nicht ankreuzen und fährt dann optisch einen Mini wie jeden anderen.

Ein weiterer Unterschied beim neuen Cooper SE (E steht für ,,elektrisch“) ist ebenfalls dezent. Um die 32,6 kWh-Batterien so unterzubringen, dass kein Kofferraumvolumen verloren geht, ist der Mini um 1,8 Zentimeter höher gelegt. Um das vertraute Bild dennoch nicht anzukratzen, trägt er leicht veränderte Karosserieteile an Bug und Heck und rund um die Radkästen. Die sympathische Mogelei der Designer fällt wirklich nicht weiter auf.

Britisches Understatement statt Elektrostolz, so sind sie nun mal unsere bald ehemaligen europäischen Mitbürger. Das Exzentrische lauert wie gewohnt im Innenleben. Das Design des kreisrunden 8.8-Zoll-Zentralmonitors der Mitte gleicht dem aller Minis. Das 5,5-Zoll-Gehäuse der Anzeigen im direkten Blickfeld wurde verändert und beherbergt jetzt Infos, die für E-Auto wichtiger sind als die Drehzahl. Wieviel der verfügbaren Kraft des 135 kW/184 PS starken E-Motors wird gerade genutzt und wieviel Prozent der Reichweite bleibt noch übrig. Da muss die Tempoanzeige auf digitale Zahlen ausweichen. Bekannt auch das Quintett an Kipp-Schaltern unterhalb des Monitors. Sie beweisen spätestens nach dem Losfahren ihre besondere Bedeutung. Vor allem der zweite von links.

Das Erlebnis des lautlosen Starts bieten alle E-Autos. Nur bei geöffnetem Fenster ist das künstliche Motorschnarren zu hören, dass Passanten vor der stillen Gefahr warnen soll. Sofort ist die Power erlebbar, ein kräftiger Tritt bringt den Mini ohne Schaltrucke ins Galoppieren. Nur sanfte Behutsamkeit des rechten Fußes bewahrt im Stadtverkehr vor Aufmerksamkeit uniformierter Tempowächter. Neulinge haben die Zurückhaltung schnell gelernt, das Mitschwimmen im dicken Miami-Verkehr zwischen den dicken SUV und den Monster-Pickups drumherum bringt bereits den Fahrspaß des Elektro-Zeitalters.

Und dann die geheimnisvolle zweite Taste von links. In der ersten ihrer beiden Stufen ist alles so, wie einst in der Fahrschule gelernt. Vor der in den USA immer weit oben hinter der Kreuzung hängenden Ampel Gaspedal lupfen und den Mini rollen lassen. Dann brav mit Hilfe der Bremse zum Stehen kommen. Die zweite Tastenstufe bietet den ,,One-Pedal_Modus“, der beim Mini besonders ausgeprägt ist. Nur noch das Gaspedal ist gefragt. Beim E-Auto-Pionier Nissan Leaf ist das übrigens ähnlich.